Wanderboje am Mauerstreifen

Archiv der Mauergeschichten


 Der übereifrige Grenzsoldat  Ulf Schliche - 1989 - Schlesischer Busch
Ich war Grenzsoldat am Schlesischen Busch. Wenn einer gestellt wurde, bei der Grenzverletzung, gab es einen Tag Sonderurlaub als Belohnung. Die Laternenmäste sind alle 25 Meter und 3 durfte man abgehen, also 75 Meter. Ich schieb so meinen Dienst. Es war ein heißer Sommertag gegen späten Nachmittag ...

 Pflichtbewusst über die Grenze  Carmen Ückert - 1989 - Bornholmer Brücke
Am 09.11.89 war ich eine Freundin in Hohenschönhausen besuchen. In den Nachrichten hörte ich die durch Schabowski vorgelesene Erklärung. Meine Freundin wollte es nicht glauben. Also habe ich mir, pflichtbewusst wie man war, am nächsten Tag einen Stempel im Ausweis bei der Polizei abgeholt und bin da ...

 Eine italienische Vorhersehung  Augusto Lucariello - 1989 - BleibtreuStr und Hotel Plaza
Ich war am 24.09.89 im Plaza Hotel in Ostberlin. Dort gab es eine Werbeveranstaltung für italienischen Wein. Ich habe mit meiner Band „Ensemble Neapoletano“ dort einen Auftritt gehabt und die Leute mit Liedern wie „Azuro“ unterhalten. Mit den 25 Mark vom Zwangsumtausch wussten wir nichts anzufangen. ...

 Ost-West Sylvester Parties  Christos Dankus - 1969 bis 1989 - Fretzendorfer Str. kurz vor Klein-Machnow
Die Mannschaft aus dem Wachturm warf Sylvester immer einen mit Schaumstoff ausgekleideten Rucksack zu uns rüber, der mit einem Seil befestigt war. Dort taten wir dann die Sektflaschen rein. Mit einer Weihnachtskarte bedankten sie sich dann bei uns! Das ging so all die Jahre. Die Information, dass be ...

 Mein 9. November 1989  Gabriele Hartmann - 1989 - Reichstag und Oberbaumbrücke
Am Abend des 9. November kam ich gegen 20 Uhr müde von einem Seminar nach Hause, schaltete den Fernseher ein und telefonierte mit meinem Freund. Auch bei ihm lief das Fernsehen leise im Hintergrund. Nach einer Weile gelang es mir kaum noch, mich auf das Gespräch mit ihm zu konzentrieren, denn die G ...

 Büro für ungewöhnliche Massnahmen  Kurt Jotter - 17. Juni 1987 - Kottbusser Damm
Den 17. Juni 1987 feierten in Kreuzberg einige Alternative aus dem Selbsthilfeprojekt Cuvrystraße auf originelle Weise. Sie sperrten eine Brücke am Paul-Lincke Ufer ab und stellten in kurzer Zeit eine Mauer auf, verteilten Passierscheine und brachten damit Polizei und Anwohner in Verlegenheit. Inn ...

 Die Nationalhymne im Radio ?!  Barbara Stefanowa - 1989 - Charlottenburg
Am 9.November `89 sitze ich gegen 24Uhr in einer Kneipe namens „Linde“ in Charlottenburg. Ich diskutiere beim Bier mit einer Studienkollegin über unsere Prüfungen an der HDK/heute UDK. Meine Nebengedanken: warum läuft im Radio die Nationalhymne und warum rauchen so viele Leute „Cabinet“ (Ostzigarett ...

 Nie hätte ich mir früher vorstellen können, dass ich einmal als Regierender Bürgermeister eines wiedervereinigten Berlin jeden Tag in den ehemaligen Ostteil der Stadt zur Arbeit fahren würde  Klaus Wowereit - 1989 - Rotes Rathaus
Berlin steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR und des Mauerfalls. Diese Ereignisse haben weltweit einen tiefgreifenden Wandel ausgelöst. Sie markieren das Ende des Kalten Krieges und der Teilung Europas. Für Berlin war der 9. November 1989 vor ...

 Mit dem Gabelstapler über die Mauer  Herr Konschak, Gemeindemitglied St. Thomaskirche - wahrscheinlich 1967 - Engeldamm 20
Am Engeldamm 20 befand sich eine Möbeltischlerei, die dazu verpflichtet war, für die Russen Schlafzimmereinrichtungen zu bauen. Weil die Mauer aber an dieser Stelle bis in den Fahrdamm des Engeldamms ragte, konnten die LKWs zum Be- und Entladen nicht ganz bis an die Tischlerei heranfahren. Mit Gabel ...

 Berlin Wall un-ltd. (Sicilia)  Martin Fischer - Juli 1990 - Sizilien
Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde schnell klar, dass Europa sich neu ausrichten musste und die Idee einer Mauer - die sich als Bauwerk so gut bewährt hatte - wieder aufgenommen werden musste. Die Richtung aus der offensichtlich die neue Gefahr lauerte war der Süden: Afrika. Folglich wurden di ...

 Das wird eine Übernahme!  Stephane - 09.11.1989, ca.23 Uhr - Übergang Invalidenstr., danach Chausseestr., Auguststr.
Ich war an dem Abend in der Philharmonie, Le sacre du printemps wurde gespielt. Nach dem Konzert bin ich am Kulturforum in den Bus gestiegen, der entlang der Mauer in den Wedding damals fuhr. (Linie 89, wenn ich mich richtig erinnere). Schon ab dem Brandenburger Tor war auffällig viel Verkehr. Wes ...

 Der Jogger von Johannisthal  Rainer Bossdorf - 1960 bis 1990 - Berlin Johannisthal
Ich wohne in Berlin – Johannisthal, der Teltow-Kanal-Grenze zwischen Rudow-West und Johannisthal-Ost. Früher war das für uns Kinder Badestelle und Anglerparadies. Wir sind oft mit den Rädern auf die Westseite nach Rudow, um die „Bravo“ zu kaufen! Wegen der Angst, dass die Grenzer uns filzen, sind wi ...

 Was der Leierkastenmann vom Ganzen hält  Manfred Grabowski - 2009 - Brandenburger Tor und Checkpoint Charly
Der Leierkastenmann sagt: „Es ist eine Schande, wie hier am Brandenburger Tor oder am Checkpoint Charly die Leute in den Alliiertenuniformen stehen und sich für Geld mit Touristen fotografieren lassen. Ich selbst musste 2 Jahre lang zwangsweise eine Uniform tragen, und finde daran nichts Amüsantes. ...

 In der DDR hatten wir Ruhe  Anonym - 2009 - ohne
Ich bin 77 Jahre alt, wurde nach der Wende mit 59 Jahren entlassen – fiel unter die Vorruhestandsregelung ab 55. Mein Sohn mit Hochschulstudium „Sozialistischer Binnenhandel“ wurde arbeitslos nach der Wende, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, heiratet nicht, könnte keine Familie ernähren. Er l ...

 Glas und Glasnost  Martin Fischer - in den 80er Jahren - Alte Jakobsstr. EVG
Gebürtiger Berliner. Meine Familie musste in den Westteil der Satdt fliehen, dann wurde ich geboren. Als ich meine Glaserlehre begann, hörte ich zum erstenmal munkeln, dass das meiner Berufsgruppe genauso passiert war. Aus dem Nordosten Berlins flohen die Glaser mit all ihren diversen Institutionen ...

 Rosen für alle  Brigitte Kath - 11.11.89 - Bornholmer Strasse
Zwei Tage nach Mauerfall kaufte ich einen riesigen Strauß roter Rosen und stellte mich an den Übergang Bornholmer Strasse und überreichte jedem, der rüberkam eine Rose. Einer fragte: "Sind die alle für mich?" Wir lachten. In der Nähe war ein Stand von Reichelt, wo Kaffee verschenkt wurde. Ich sah e ...

 Mauerfall vorerst nur für Deutsche  Virginia M. Raimundi, Poetin und Konzeptkünstlerin - November 1989 - Leuschner Damm
Kurz nachdem die Mauer gefallen war, wurden am Leuschner Damm die ersten Mauersegmente entfernt. Momper in seinem roten Schal und Konsorten waren da und beobachteten die Demontage. Vom Osten kamen erstmal nicht so viele Leute; das waren Grenzarbeiter und Grenzpolizisten, die dann den Grenzverkehr re ...

 Gefangen auf beiden Seiten  Virginia M. Raimundi, Poetin und Konzeptkünstlerin - Anfang der 80er Jahre - Bethaniendamm
Zu Mauerzeiten führte ich den ersten spanischen Wein- und Delikatessenladen in Berlin, dann in Kreuzberg das "Futuro", was später eine Künstlerbar/café wurde. Zu der Zeit hatte ich einen Chau-Chau Hund. Mit dem ging ich jeden Morgen an der Mauer entlang spazieren: von der Köpenicker Strasse bis zum ...

 Zwischen den Linien als Bereitschaftspolizist  Herr Lamenta - 1961 - Brandenburger Tor u.a.
Ich war 1961 bei der Bereitschaftspolizei und hatte am 13.August Dienst am Brandenburger Tor. Ich beobachtete den Irrsinn des Mauerbaus und habe rüber geschrieen: „Erst ward ihr Nazis und jetzt seid ihr Kommunisten“. Die haben mich von drüben fotografiert und notiert und ab da dufte ich nicht mehr d ...

 Ein Vikar als IM  Erhardt Knauer - 1971 - Polnische Botschaft
Unter den Linden in der polnischen Botschaft gab es den „Brandenburger Keller“. Ich war damals Reserveoffizier in West-Berlin und strebte eine Karriere als Vikar an. Ich trank mit einem Freund im Keller Bier, als die circa 25-jährige Rosemarie zu uns an den Tisch kam. Sie erzählte uns, dass sie drin ...

 Der wichtigste Ort auf der Welt  Kevin Castner - 1975 - San Francisco
1975, als ich Student in Berkeley war, war das große Thema meines Studiums der „eiserne Vorhang“. Ich beschäftigte mich intensiv mit Russland, China und Deutschland. Beim Mauerfall spürte ich, dass der wichtigste Ort auf der Welt an diesem Tag Berlin war. Ich wollte so sehr auch dort sein, um es z ...

 Meine Oma soll Faschist sein?!  Unbekannt - 1989 - Warschauer Strasse
Als kleiner Junge bin ich mit meinen Eltern noch oft in West-Berlin gewesen, um die Oma zu besuchen. Irgendwann sind wir nicht mehr hin und ich fragte „warum?“. Als Antwort bekam ich, dass die dort um West-Berlin jetzt eine Mauer gebaut hätten. Ich konnte das damals nicht so recht begreifen. Später ...

 Vertrieben, weil man nicht für Ulbricht klatschen wollte  Magarete Schettle - 1961 - Parteiversammlung der DDR
Wir sind zu zweit als Studenten im August 1961 per Autostopp durch Europa gereist. Wir wollten unbedingt auch mal nach Berlin, aber per Auto war das schon nicht mehr möglich. Dann überlegten wir von Hannover aus mit dem Zug zu fahren, jedoch sagte man uns, dass man keine Rückfahrkarte mehr ausstelle ...

 Ossis wie Affen im Zoo  Wolfgang Krueger - 1989 - Wittenbergplatz
Den Mauerfall hatte ich über Nacht nicht mitbekommen. Am folgenden Morgen war ich am Wittenbergplatz und wunderte mich über Leute, die um 6 Uhr in Schaufenster schauten und wunderte mich. Einer von den Schaufensterbummlern sagte begeistert „Kiek ma! Der hohle Zahn!“. Ab da war mir alles klar, die Ma ...

 Verschlafen  Martina Wauschkuhn - - Koenigsallee
Am Abend vor dem Fall der Mauer war ich entsetzlich müde und ging früh schlafen. Morgens ab zur Arbeit von der Wangenheimstraße in die Koenigsallee im Nobelbezirk Grunewald. Irgendwas war anders. Komisch, in der Koenigsallee parkten Trabis neben Nobelkarossen. Die Kollegen stießen morgens um 9.00 Uh ...

 Das Wendekind  Hanna Hartmann - 9.11.1989 - Frankfurt Main
Im Sommer 1989, ich war gerade mit unserem 2. Kind schwanger, eröffnete mir mein damaliger Ehemann, dass er „die Liebe seines Lebens“ gefunden habe und mich verlassen würde. Ich konnte es erst gar nicht glauben, erst war das zweite Kind wie das erste ein Wunschkind und dann sollte von heute auf mor ...

 Verzicht auf Schützenhilfe  A.v.Radetzki - März 1990 - Oberbaumbrücke
1990 war ich als Taxifahrer unterwegs und fuhr zwei libanesische Asylbewerber von der Sonnenallee Richtung Ost-Berlin. An der Oberbaumbrücke wollten sie aussteigen. Als ich hielt, türmten sie plötzlich aus meinem Auto, ohne bezahlt zu haben. Ich lief ihnen auf der Brücke hinterher. Als ich einen vo ...

 Decrustate. Sand aus dem Todesstreifen  Anneli Ketterer - 2005 - Mauerstreifen im Mauerpark
Also, es hat angefangen mit einer Ausstellung hier in Berlin zu der Kinder zu Besuch kamen, die ich durch die Ausstellung geführt habe. Dabei habe ich erfahren, woher die Kinder kommen und dass ihr Spielplatz der ehemalige Todesstreifen ist. Da ich dort sowieso gerne eine Arbeit 'abnehmen' wollte, d ...

 Ohrenzeuge des Maueropfers Fechter  Anonym - 1962 - Zimmerstrasse
Als die Mauer gebaut wurde, habe ich mich erstmal gefreut. Ich war 12 Jahre alt und hatte bis dahin jeden freien Nachmittag mit meinen Eltern in unserem Garten in Schönefeld verbringen müssen und mich zu Tode gelangweilt. Im Sommer 1961 hatte mein Vater dann nur noch einmal Gelegenheit seine Habseel ...

 Ein italienischer Mauerspecht  Sandra - 1989 - Brandenburger Tor
Ich bin in Rom geboren und habe noch bis vor 5 Jahren in Italien gewohnt. Als ich hörte, dass die Mauer gefallen war, war ich 18 Jahre alt. Ich fand das so toll, dass ich gleich für eine Woche nach Berlin gefahren bin, um als Mauerspecht zu helfen, die Mauer mit abzureißen. Als ich in Angola meinen ...

 Paddeln in der Todeszone  Marlene Juraschek und Peter Hoffmann - 1990 - Griebnitzsee
Wir sind in Berlin regelmäßig Kanu gefahren, konnten aber nicht über die Grenze, denn da hockten die Schnellboote der DDR. Wenn wir auf dem Griebnitzsee unterwegs waren mussten immer aufpassen, dass wir nicht rüber getrieben werden. Unsere Tour bestand immer daraus, dass wir den See fast umrundeten ...

 Mit Hasselhoff ins Neue Jahr  Anonym - 1989 - Brandenburger Tor
Ich bin Weihnachten zu meinem Cousin nach Bad Homburg gefahren und habe ihn und seine Frau eingeladen Silvester mit nach Berlin zu kommen. Ich komme selbst aus Brandenburg und zusammen mit noch einem Kumpel von mir sind wir dann Silvester 1989 zu viert nach Berlin wegen dem Konzert am Brandenburger ...

 Pornos, Olympioniken und Liebe durch den Mauerfall  Andre - 1989 - Brandenburger Tor und Velodrom
Am Tag des Mauerfalls habe ich mich gewundert, dass so viele Trabies durch die Strassen fahren. Ich habe damals ins Moabit gewohnt. Als meine Kumpels mir erzählten, dass die Mauer gefallen ist, dachte ich zuerst, dass die mich verarschen wollten. Als ich verstand dass es stimmte, hab ich gleich ne G ...

 Unglück im Glück  Pfarrer Müller - 10.Nov. 1989 - Bethaniendamm
„Es war am 10.November 1989. Die Nacht der Grenzöffnung war vorbei. Von den Welt bewegenden Ereignissen merkten wir am Bethaniendamm noch wenig. Wir hatten an diesem Donnerstag Abend eine Gemeindekirchenratssitzung, erhielten die Info „In den Nachrichten habe man gemeldet, dass der Übergang Bornholm ...

 Der Smoking, der über die Mauer flog  Ernst Vogel - 1961 - Papestrasse
Ich wohnte in der Nähe der Papestrasse. Circa vier Wochen nachdem der Mauerbau begonnen hatte, bekam ich einen Anruf von einer Schneiderei in Ostberlin. Der Smoking, den ich zur Änderung abgeben hatte wäre fertig, jedoch gäbe es keine Möglichkeit mehr den Laden zu besuchen, da die provisorische Maue ...

 Sehnsuchtsblicke  Uwe Hennig - 80er Jahre bis jetzt - Heilandskirche Bad Sacrow
Vom Belvedere aus konnte man bis rüber in den Glienicker Volkspark gucken. Da waren wir immer am Sonntagnachmittag. Das war unser Sehnsuchtsblick. Ansonsten war für die Potsdamer schon vor dem Weißen See die Welt zu Ende. Der Weiße See war von drei Seiten ummauert - nur die vierte, die zum Westen g ...

 Für Polen durchlässig  Stani - - Stani, Berlin-Pankow
Für mich als polnischen Staatsbürger mit einer Daueraufenthaltsgenehmigung war die Mauer immer durchlässig. Ich hatte einen besonderen DDR-Ausweis, der war rot und der berechtigte mich zum mehrmaligen Grenzübertritt nach West-Berlin. Dort wollte ich nie auf Dauer bleiben. Mir hat es immer in Pankow ...

 Rohmaterialspende  Blubb 99 - 1986,87 - Görlitzer Park
Das war so um das Jahr 86/87. Meine leeren Bierdosen habe ich immer über die Mauer nach Ost-Berlin geworfen. Damit die Ossis mehr Rohstoffe haben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man die Mauer komplett stehen lassen sollen und die DDR-Menschen hätten sich nicht verkaufen sollen an die BRD. Von ...

 Guck mal, die Commis da drüben  Satti - 13. Dezember 1986 - Eberswalder Str., Oderbergerstr.
Zeit: Freitag 13. Dezember 1986, 17.45-18.13 Uhr Ort: Ost-Berlin, Prenzlauer Berg, an der Berliner Mauer mit KFZ-Graben, Panzersperren, Postenweg, Lampentrasse und Blumenschalensperre Handlungsraum: Zwischen dem Beobachtungsplattform für Touristen im Wedding - Wachturm der Grenztruppen an Bern ...

 Adventzeitliches Dankeschön  W. Stapp - Adventszeit 89 - Grenzübergang nach Teltow
Der Grenz-Übergang von West-Berlin nach Teltow liegt in Lichterflede Süd. Über ihn ist Walter Linse verschleppt worden, dadurch hat er einige Bekannt- heit erlangt. An eben diesem Grenzübergang - in diesem Fall von der Mark Brandenburg nach Berlin - haben die Teltower in der Adventszeit Tische a ...

 Energetische Transformation der Trennung  Jutta Höhn - 2008 - Schlesisches Tor
Anfang letzten Jahres las ich in der Berliner Zeitung, dass Berlin die Stadt mit den meisten Singles ist. Da kam bei mir die Frage hoch: Warum? Von meiner Ausbildung her wollte ich mich dem Problem unter systhemischen Gesichtspunkten nähern, mit Mitteln der Familienaufstellung nach Bert Hellinger: ...

 Einreise verwehrt  Stefan Höppe - 1987 bis 88 - Friedrichstr.
Meine Mauergeschichte hat nichts mit der Mauer direkt zu tun, wohl aber mit der Grenze zwischen BRD und DDR. Es dürfte 1987/88 gewesen sein, als ich an einer Lesung / Kunstaktion in einer Neuköllner Galerie teilnahm und von Bekannten die Einladung erhielt, eine Kunst-/Literaturperformance in Ost-Ber ...

 Idylle in der Mauernische  Nike Bätzner - November 89 - Treptow
Ganz kurz nach Mauerfall habe ich mit einer Freundin die Idee gehabt, von Kreuzberg in Richtung Treptow an der Mauer entlang zu gehen, solang es irgend geht. An einer Stelle war ein Loch in der Mauer und sind da durchgekrochen und sind dann in den Schrebergärten gelandet in Treptow und sind dann nic ...

 Verspätetes Mauerspringen  Howard MacCalebb - Sommer 2009 - S-Bahnhof Schönholz
Mein Bruder James kam dieses Jahr zu ersten Mal zu Besuch nach Berlin aus den Staaten. Er wollte alles besichtigen: Hitlers Bunker, die Mauer, einfach alles. Also gingen wir über die Straße, da wo die Mauer früher stand, und jetzt eine Markierung im Straßenpflaster ist. Ich zeigte ihm das und er sag ...

 Aus der Erzählung: 'Das Mobile'  Lothar Stemwedel - nach 1989 - Berliner Himmel
Seit dem Fall der Mauer ist es ein Leichtes sich in irgendeinen Teil der Stadt zu begeben, den man noch nicht kennt. Nur dort, mit erinnerungslosem Blick, habe ich das Gefühl, dass sich mir auf den ersten Blick alles offenbart. Dem Himmel, den Bäumen, den Menschen werfe ich mich entgegen, um schließ ...

 Die Mauer ist weg  Sten Nadolny - 9. November 1989, etwa 22.00 Uhr - Hotel Perapalas, Istanbul
Eure Wanderboje hat einen weiten Weg vor sich. Und wieder zurück! Denn meine schönste Mauergeschichte erlebte ich nach einem langen Tag mit einem Fotografen und einem Textjournalisten vom STERN in Istanbul. Es ging um einen gerade beendeten Roman von mir, der zum Teil in der Türkei spielt. Am Abend ...

 Warum ein Japaner vor der Berliner Mauer seinen Hut zog. Oder: Kann nit verstaan  P.U. - Herbst 1988 - Zimmerstr.
In meinem Erinnern verwendete er sogar den Begriff „barhäuptig“, der neugierige Beschwerdeführer auf der Türschwelle zur Wall-StreetGallery. - Also, warum wir seinen Freund hier, er deutete dabei auf seinen Begleiter, - aufgefordert, ja sogar genötigt hätten, vor der Berliner Mauer seinen Hut zu zie ...

 Entsorgung eines Tatwerkzeugs  Frank Suplie - ca 1980 - Bethaniendamm Westseite
Nach vollbrachter Tat, ging es darum, das Tatwerkzeug verschwinden zu lassen. Das Teil flog also über die Mauer, kam aber prompt wieder zurückgeflogen. Dieses wiederholte sich noch 2 mal, kam aber beim 3. Mal nicht mehr zurück. Nach dem Mauerfall suchte ich die östliche Mauerseite nach dem Teil ab, ...

 Lautstärke drosseln im Tränenpalast  Maica Evers - 80er Jahre - Friedrichstr., Tränenpalast
Freunde aus Spanien waren zu Besuch und wollten natürlich unbedingt nach Ost-Berlin. Programm von Fernsehturm, Alexanderplatz, über Palast der Republik, billig Bücher und Platten, Schlange stehen vor dem Ratskeller (Rotes Rathaus mit Platzzuweisung:-) 20 DM wechseln, alles war gut geplant. Dann über ...

 Platzverweis  Vereinmitglieder des FSV Stralau - 1961 - Berlin Weissensee
Der Verein FSV Berolina Stralau 1901 feierte am 12. 8. 61 sein 60-jähriges Bestehen. Dieser Tag ist nicht nur für den Verein historisch gewesen, sondern hatte durch den Mauerbau den Verlust einiger Vereinmitglieder für über 25 Jahre bedeutet.

Die Mitglieder Bernhard Schmidt, Werner Schle ...

 John Runnings, ein Held der 80er Jahre  Ralf Gründer - 80er Jahre - Checkpoint Charlie
John Runnings wurde am 22. August 1917 in Manitoba, Kanada, geboren, siedelte aber später nach Seattle in die USA über. Seit 1986 kam der 64-jährige bis zum Fall des SED-Regimes nach Berlin (West), um gegen militärisch durchgesetzte Grenze zu demonstrieren. Während dieser Zeit residierte Runnings im ...

 Kapitalismus auf dem Schulweg  Sarah - 1989 - KuDamm
Als die Mauer gefallen ist, da war ich 11. Die große Euphorie des Ausnahmezustands dieser Stadt, habe ich aus einem Blickwinkel einer 11-Jährigen gesehen, die diese Ereignisse nicht wirklich einzuordnen wusste. Ich kann mich damals gerade noch daran erinnern, dass ich irgendwann mit dem Kinderladen ...

 Feindbeobachtung durch West-Fernsehen!  Frau Daedt - - Neuruppiner Str., Fretzdorfer Weg, Zehlendorf
Eine gute Freundin von mir aus dem Chor wohnte mit ihrer Schwester in der Neuruppiner Straße, Ecke Fretzdorfer Weg. Sie erzählte mir diese Geschichte - leider sind beide Schwestern schon verstorben. Auf der anderen Seite der Straße verlief die Mauer und genau gegenüber von ihrem Haus stand ein Wach ...

 Der Morgen danach  Meinhard Schröder - 10.November 1989 -
[…]Frau Kiebig war erst vor fünf Jahren aus der DDR gekommen – durch Freikauf. Zuerst landete sie im Knast wegen versuchter Republikflucht, danach verlor sie ihre Arbeit wegen eines Ausreiseantrags. Obwohl mir ihr Schicksal nahe ging, mochte ich sie nicht, sie tratschte mir zuviel und arbeitete nach ...

 Die unsichtbare Grenze  Meinhard Schröder - ca 1993 - Berlin Spandau
„Guck mal!“, Brigitte zeigte seitlich auf den Boden. „Man sieht noch genau, wo die Grenze verlief. Der aufgewühlte Sand.“ „Ja“, ergänzte ich, „und der Radweg folgt auch dem alten Grenzverlauf.“ Brigitte und ich spazierten auf unserem alten Ausflugsweg von der Bürgerablage in Spandau nach Eiskeller ...

 Das Esshorn  Willi Lange - ca 1980 - Grenzübergang Herleshausen
Vor der Wende habe ich in Leipzig ein Althorn für 300 Ostmark erstanden. Das Horn war in der Tonart Es-Dur gestimmt. Auf dem Rückweg versteckte ich es im Kofferraum meines Wagens unter einer Decke. Auf die Zollerklärung schrieb ich: 1Baumkuchen, 1Eßhorn. An der Grenze gab ich die Erklärung einem Z ...

 Kohleklau  Jürgen Schneider - Winter 79,80 - Görlitzer Bahnhof
In den bitterkalten Winternächten, wenn die Kachelöfen langsam auskühlten, schoben wir mühsam unseren alten VW-Bus an und fuhren zum Gelände des Görlitzer Bahnhofs. Der Görlitzer Bahnhof existierte damal schon nicht mehr. Es gab nur noch einige leere, verrostete, tote Gleise, denen teilweile die Sc ...

 Mauerheimweh  Marcus Schreiber - 2009 - Kreuzberg - Rastatt
Im Herbst '91 bin ich zurück an den Rhein nach Süddeutschland gezogen. Berlin hat sich zu sehr verändert. Die Zeit mit Mauer, Berlinzulage und Billigwohnen war endgültig vorbei. Ab und zu kriege ich Sehnsuchtsanfälle nach damals, nach Berlin. Dann gehe ich an den Zentralfriedhof zum Kolumbarium spaz ...

 Am 13. August am Brandenburger Tor  Lang - - Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie
Ich habe sowohl den Auf- als auch den Abbau der Mauer in Berlin erlebt. Ich kam im April 1961 mit meinem Bruder nach Berlin. Wir wollten beide hier studieren. Wir haben beobachtet, wie immer neue Flüchtlinge mit der S-Bahn herüberkamen. Es waren mehrere Tausend. Am 13. August habe ich einen Passiers ...

 Über Ost-Berlin nach Kopenhagen  Klaus Peter Prenin - - Flughafen Schönefeld
Ich war mit einer bulgarischen Ärztin verheiratet und zu DDR-Zeiten sind wir immer nach Bulgarien gefahren. Einmal waren wir im Winter dort und ich war ganz scharf auf Skilaufen. Wir fuhren nach Pamporovo, ein absolut schneesicheres Gebiet. Ich als DDR Bürger habe mich total darauf gefreut, mit mein ...

 Mit dem LKW durch die Mauer  Klaus Peter Prenin - 1967 - Wilhelmstr., Niederkirchner Str.
Ich war DDR Bürger und habe in Berlin Bauwesen studiert. 1967 war ich mit dem Studium fertig und dachte mit ein paar Freunden daran, im Westen Geld zu verdienen. Mein Freund Dieter Schmidt war im Haus der Ministerien angestellt, das lag direkt an der Mauer. Er hat mich eingeladen als Gutachter und ...

 Eine neue Stadt  Mechthild Rawert - November 89 - Schwedter Str.
Der Sommer 1989 war ja gerade für eine Westberlinerin sehr sehr intensiv, denn wir hatten ja durchaus Befürchtungen, dass es zu Auseinandersetzungen kommen könnte. Ausgerechnet in der Woche in der die Mauer gefallen ist, war ich nicht in Berlin. Ich entsinne mich, als ich mit dem Zug wieder in West- ...

 Mit Willi Brandt am Rathaus Schöneberg  Renate Künast - 9. November 1989 - Bornholmer Brücke und Rathaus Schöneberg
Meine schönste Mauergeschichte ist an dem Tag, an dem die Mauer fiel, passiert. Ich war im Rathaus Schöneberg, die rot-grüne Landesregierung hatte eine Sondersitzung, weil gesagt wurde, ab morgen können Anträge gestellt werden, man bekommt eine Reiseerleichterung im Ostteil der Stadt. In dem Moment ...

 Stecker raus bei MTV  Fridolin Mangold - 1989 - Brandenburger Tor
Ich hab den Fall der Mauer am Brandenburger Tor miterlebt. Das war beschissen. Die ganze Welt war da versammelt. Überall Fernsehtürme, die das Spektakel gefilmt haben. Ich wollte das verhindern und habe versucht die Stecker herauszuziehen- bei MTV ist es mir geglückt. Für mich sollte die Welt so ble ...

 Durch Minen zum Rummel  Hakan - 1989 - Mariendorf, Nahariyastrasse
Ich war elf Jahre alt. Hinter der Mauer war ein Rummelplatz, wir wollten mit unseren Freunden dahin gehen. Um dorthin zu kommen mussten wir durch ein Feld, von dem man sagte, dort seien Minen. Wir wollten unbedingt zum Rummel und sind einfach durchgerannt. Es ist nichts passiert. ...

 Mit Kaffee im Kreuzverhör  Jakob - Anfang der 70er - Am Kiesberg
Ich wollte die Grenze am Checkpoint Charlie von West nach Ost passieren, wurde angehalten und musste den Kofferraum öffnen. Die Grenzsoldaten haben darin alte Zeitungen gefunden, denn ich wollte mein Auto neu lackieren, und Fenster und Räder damit abkleben. Ich habe gesagt, dass ich das nicht wusste ...

 Der verpasste Mauersprung  Platzek - 1966 - Harzer Nähe Grabowstr.
Ich war noch nicht volljährig, vielleicht fünfzehn oder sechszehn Jahre. Meine Schwester wohnte in der Harzer Straße in Treptow, ich besuchte sie oft. Das Haus lag unmittelbar an der Mauer und sollte abgerissen werden. Ich beobachtete, wie angefangen wurde, das Haus abzubauen. Da die angrenzenden Hä ...

 Spreeporsche  Lutz Hömssen - - Köpenicker Str. 10
Irgendwann war das letzte Avusrennen. Da haben wir einen Porsche zurecht gemacht fürs Rennen. Der stand hinten bei uns auf dem Hof, da mussten Räder gewechselt werden, die Rennräder drauf gemacht werden, anderes Öl und noch so'n bisschen Spielerei. Vor die Vorderräder haben wir immer so einen dicke ...

 Unter Fluchthelfern und Fälschern  Christian Carstensen - Sommer 1961 - Landwehrkanal, Nähe Potsdamer Platz
Als empörter Student, der sich nützlich machen wollte, wandte ich mich an den ASTA und über den bin ich an Fluchthelfer rangekommen. Die Fluchthelfer, das war ein spontihafter, idealistischer Haufen, der was Konkretes gegen die Mauer unternehmen wollte. Wir hatten ja alle unsere Freunde drüben. Das ...

 Aus den Flitterwochen im Panzerkonvoi  Renate Hennig - 20.8.1961 - Dreilinden
Ich hatte am 3. August geheiratet. Wir stiegen noch am selben Tag in unserem VW-Käfer um gen Westen zu fahren. Der Gedanke war: raus aus dem stickigen Berlin, erst einmal mit aller Vergangenheit abzuschließen und verliebt ein neues Leben zu beginnen. Wir fuhren und fuhren, bis wir in Nordwejk an Zee ...

 exklusiver Artikel für China Post  Prof. Chang-tze Hu - Winter 89 - Buffalo/Berlin
Nachdem ich sieben Jahre an der Tunghai Universität in Taiwan gearbeitet hatte, gab es 1989 für mich die Gelegenheit unter dem Programm der Fulbright-Stiftung in den Vereinigten Staaten ein Forschungsjahr zu verbringen. Ich habe die Universität Buffalo gewählt, wo Professor George Iggers tätig war. ...

 Der Entenschnabel  Andreas Müer - 2000 - Entenschnabel
Nachdem ich 1982 nach Berlin Kreuzberg gekommen war und dort ca. 13 Jahre direkt an der Mauer gewohnt hatte, zog ich irgendwann nach der Maueröffnung in ein Reihenhaus in Schönfließ. Hier blieb ich 5 Jahre und in dieser Zeit reifte der Entschluss, ein eigenes Haus bauen. Wir suchten nach einem passe ...

 Alles Fake   - - Mühlenstr.
Die sogenannte Hinterlandmauer war nie bemalt! ...

 Für den Erhalt der Mauer  Andreas Otto - 1989 und heute - Prenzlauer Berg
Ich habe damals wie heute in Prenzlauer Berg gelebt und ich habe mich mit anderen dafür eingesetzt, dass ein Teil der Mauer stehen bleibt. Denn hier an der Bernauer Strasse war ja kein größerer Übergang. Das ist uns leider nicht gelungen, weil in dem Taumel des Mauerfalls, der Revolution und der dar ...

 Poolparties bis der Grenzstreifen überschwemmt war  R.Peters - 1987-1989 - Scharnhorststr 34
Ich wohnte mit meinem Mann, und später unserer Tochter, bis zum April 1989 in der Scharnhorststrasse 34, direkt an der Mauer zu West-Berlin. Wir waren in einer lustigen Hausgemeinschaft; alles junge Leute, viele mit kleinen Kindern. Besonders schön war es für mich dort im Sommer 1987, dem Jahr der 7 ...

 Die Spitze des Eisbergs - Fortsetzung  Wolfram Drechsel - November 1989 - Alt-Wittenau
Und eigentlich gehört zu dieser Geschichte noch der Zeitsprung in das Jahr 1989 Inzwischen - im Sommer 1989 - war meine Schwiegermutter als Rentnerin nach Alt-Wittenau (West-Berlin) übergesiedelt. Und damit war formal erstmals die Grundlage geschaffen, dass ich vielleicht unter irgend einem Vorwand ...

 Die Spitze des Eisbergs  Wolfram Drechsel - 12.08.1961 - Rathaus Schöneberg
Mein ganzes Leben ist verbunden mit der Mauer! Diese Geschichte ist nur die Spitze eines Eisberges. Der Eisberg ist mein Leben und nur die Spitze guckt heraus. Das hängt alles mit der Entscheidung zusammen, die meine Eltern am 12. August 1961 trafen, respektive mein Vater. In den Sommerferien ...

 Der rbb ist nicht authentisch  Jürgen Litfin - 1961 bis heute - Gedenkstätte Günter Litfin, Kieler Eck
Jahrzehntelang berichtete der rbb fälschlicher Weise, dass Peter Fechter das erste Opfer an der Mauer gewesen sei. Mein Buder Günter Litfin starb jedoch schon am 24.8. 1961 beim Durchschwimmen des Humbolthafens. Peter Fechter fast genau ein Jahr später am 17. August 1962. Trotz meiner Intervention ...

 Klappkarte, Zählkarte  StäV - Dezember 1987 - Checkpoint Charlie
Als gebürtiger Berliner (WEST) habe ich meine Zeit in Ost-Berlin mit "roter Klappkarte" (Diplomatenausweis) ganz besonders genossen. Ich wohnte damals in Lichtenberg und konnte bei Bedarf alle Grenzübergänge problemlos passieren. In der Adventszeit besorgte ich meiner Mutter, die einen Westdeutsche ...

 Ossis statt Türken  gehört von Georg Schmitz - 12.11.89 - U-Bahn Kochstr.
Aus dem Osten nach Westen strebende Arbeiter im Blaumann: "Jetzt habt ihr ja uns - da könnt ihr doch die Türken alle nach Hause schicken..." ...

 Fensterromanze  Süleyman - 80er Jahre - Sebastianstr.
Als ich in die Sebastianstr. zog, konnte der Möbelwagen gar nicht richtig an die Haustür heranfahren, so dicht stand die Mauer. Mit einem Handwagen haben wir die Möbel von der Strassenecke rangeschleppt. Damals war die Strasse ganz ruhig und weil die Mauer über 3 Meter hoch war, war es in den untere ...

 Hunde füttern verboten!  W. Andreas Wegener - 1983 Sommer / Herbst ? - Berlin, Scharnhorststr. 7
Auf einem Lehrgang zur beruflichen Weiterbildung wurden in der Scharnhorststr. 7 in der Betriebsschule der Deutschen Post Techniklehrgänge durchgeführt. Das Gebäude mit den Unterrichtsräumen stand somit ganz dicht an der Berliner Mauer. Wenn es ganz still war, konnte man die Omis an der Bushalteste ...

 Die Mauertorte  Peter Kinzel - 17. August 1961 - S-Bahnhof Wilhelmsruh
Im August 1961 wurde ich acht Jahre alt und machte mit meinen Eltern gerade Urlaub in Österreich. Als es auf einmal hieß: 'in Berlin wird eine Mauer gebaut', brachen wir den Urlaub ab und fuhren zurück in unsere Heimatstadt. Wir wohnten im Wedding, hatten aber ein Gartengrundstück in Pankow/Wilhelms ...

 Eine mutige Frau und Mutter  Hagen König - 10.8.1961 - Nauen
1961 war ich sechs Jahre alt und meine Schwester vier. Wir lebten in Stendal, wo mein Vater bei der Reichsbahn arbeitete. Dadurch kannte meine Mutter die Nebenstrecken, auf denen man noch ohne Kontrolle in den Westen gelangen konnte. Denn obwohl die Mauer noch nicht stand, waren die Kontrollen stren ...

 Rübergeschwommen  Jan - 1988 - Schlesische Strasse 32
In der Schlesischen Strasse gab es ne stinknormale Schultheiss-Kneipe heute heißt sie „Cake“. Im Hinterhaus gab es eine Schlosserei, da habe ich gearbeitet. Es war im Winter November/Dezember `88 oder so, und es war schweinekalt. Da tauchte ein Typ auf, der war völlig nass. Seine Klamotten waren st ...

 Die Wasserleiche, die keiner wollte  Lutz Hömssen - 70er Jahre - Köpenicker Str. 10
Unser Haus in der Köpenicker Strasse hatte noch einen Heizer, der den Alluminiumkessel jeden Morgen anfeuerte. Der war immer der erste in der Frühe. Vormittags sass er dann an der Spree und machte sein Päuschen. Eines Tages kommt da so ein Stoffbündel vorbeigeschwommen. Mit 'nem Stecken hat er das d ...

 Mit Vollgas in den Westen  Ulrike Herr - 1985 - Mehringplatz
Der grobe Rahmen ist, dass ein Teil meiner Familie in Ostberlin gelebt hat. Der andere Teil war eher auf den Nordfriesischen Inseln angesiedelt und ich, die damals in Westberlin in Neukölln lebte, habe sehr viel daran getan, diese Mauer für meine Familie zu überwinden, indem ich alle Möglichkeiten f ...

 Kuras kleinkalibrige Geschichten oder Wie wir den Osten beschossen ohne dass er es bemerkt hat  Ein Büchsenmacher aus Kreuzberg - 60er / 70er Jahre - Kreuzberg
Ende der 60er Jahre, als die Amis ihre Armeekaliber umstellten, kam mir die Idee, neue Läufe für diese Kaliber herzustellen. Ausserdem produzierten wir Sinter-Metall Hartkerngeschosse und dafür bekam ich eine Lizenz der Amis, die diese Munition im Vietnamkrieg einsetzten, obwohl es sehr zweifelhaft ...

 "Der Westen greift uns an!"  Ulf Schiche - 1989 - Bouchestr/Puschkinstr
Ich hatte das Glück den Mauerdurchbruch und dadurch auch zwei Welten zu erleben. Am 9. November kam ich nach aus meinem ersten Heimurlaub in 16 Wochen aus Dahme wieder in die Unterkunft meiner Kompanie an der Bouchestrasse Ecke Puschkinstraße. Wir haben in unserer Kompanie einen Abschnitt von 5 Kil ...

 Inselleben  Christian - 10.November 1989 - Bethanien
Ich war mit der Mauer vertraut. Ich fühlte mich beschützt vor dem Normalbürgertum. Als ich damals Zwanzig war, war Berlin für mich wie eine geschlossene Psychatrie, wo alle Verrückten hingegangen sind, der Westteil Berlins, und die Mauer war wie ein Wall und ein Schutz. Ich habe hier in Kreuzberg i ...

 Grillhähnchen an der Mauer  N.N. - - - Waldemarstr./Erkelenzdamm
Am Erkelenzdamm ist das Gasthaus zur Henne, da gab es die besten Hähnchen in Berlin. Da sind wir oft hingegangen. Das Restaurant lag direkt an der Mauer und während ich dort saß, habe ich immer auf die Mauer geschaut und mich gefreut, daß ich westlich der Mauer lebe. Die Hähnchen sind für mich die e ...

 Die eiserne Mauer  Anita Rehm - - Köpenicker Str.4
Mein Name ist Anita Rehm, ich bin in Arnsheim geboren, das ist ein kleiner Weinort in Hessen, und meine frühste Erinnerung an die berliner Mauer war die, daß man immer in der Zeit, als ich so sechs oder sieben Jahre alt war, immer vom eisernen Vorhang gesprochen hat. Dieser Begriff hat mich immer be ...

 Kapitalismuskritik in den Mauerlücken  Anne Fina - 11.11.89 - Ende Schlesische Strasse
Ausnahmsweise (!) fuhr ich am Donnerstag, den 9.11.89 mit dem Auto (!!) zum Sport (!!!)* Da ich spät dran war, hörte ich in den 20 Uhr-Nachrichten "Grenzübergangsstellen geöffnet". An den Sport kann ich mich nicht mehr erinnern. Zuhause wartete ein anberaumtes "WG-Gespräch". Fazit: "Wir wollen, dass ...

 Verlassen Sie sofort das Unterbaugebiet!  Armin K. - 22. Januar 1985 - Bernauer Str. / Hussitenstr.
Im Januar 1985 war die geplante Sprengung der Versöhnungskirche im Mauerstreifen an der Bernauer Straße ein großes Thema in der Westberliner Lokalpresse. Das Ereignis wollten wir uns nicht entgehen lassen. Um über die Mauer weg fotografieren zu können, sind wir mit einem Unimog mit Leiter direkt an ...

 Neues Auto zum 9. November  Fam. Michel - 1989 - Strausberg und Eberswalder Str.
14 Tage vor dem Mauerfall vermittelte uns unser Urberliner Schwager ein günstiges Angebot zum Kauf eines Gebrauchtwagens – einen Skoda S 100 (dieser war ja vor dem Mauerfall nicht so leicht zu kriegen). Am Tage des Vertragsabschlusses – 09.11.1989- verabredete sich mein Mann mit dem Schwager in Berl ...

 Die grössten Unterhosen der Wiedervereinigung  Jurek Wiepszynski - Anfang 1989 - Potsdamer Platz, Krempelmarkt
In den 80er Jahren arbeitete ich in Mysliborz/ Polen im staatlichen Betrieb Koral, der Büstenhaler und Unterwäsche nähte. Aufgrund eines Produktionsfehlers waren riesige Mengen von übergroßer Unterwäsche produziert worden, die jahrelang als Ausschuß im Keller der Firma lagerten. Als wir dann Anfan ...

 Runterbücken - es wird scharf geschossen  Ulrich Eilsberger - Anfang der 70-ziger - Warschauer Strasse
Anfang der Siebziger habe ich mit meiner Mutter anläßlich eines Besuchs bei meiner Schwester, die in Westberlin wohnte, eine Stadtrundfahrt nach Ostberlin unternommen. Ab dem Grenzübergang wurde der Bus mit einem DDR Reiseleiter zusätzlich versehen, das war so Vorschrift. Mit der Reiseleiterin, i ...

 10 Mark auch für Wessis  Thomas G. Betz - 1989 - Heinrich-Heine-Str.
Im November 1989 wohnte ich in einem (West-)Plattenbau-Studentenwohnheim direkt am Potsdamer Platz mit sensationellem Blick auf die beiden Mauern und den Führerbunker-Schutthügel dazwischen. Das Wohnheim gibt es nicht mehr. Dort steht jetzt das Daimler-Gebäude. Als ich am 9.November gegen 22Uhr von ...

 Slalom zwischen Panzersperren  Anne Peschken - 18.10.89 - Grenzübergang Sonnenallee
Im Sommer 1989 war ein Freund von mir über Ungarn abgehauen. Irgendwann bekam ich einen Anruf aus Süddeutschland. Ich freute mich riesig – Jan im Westen. Jetzt konnten wir uns bestimmt häufiger sehen. Er bat mich, zu seinem Vater nach Ost-Berlin zu fahren, um von dort seine Zeugnisse in den Westen z ...

 Verloren in West-Berlin  Christina G. - 1989 - Zimmerstr./Lindenstr.
Eine Woche nach der Mauereröffnung hat mich mein Vater nach Berlin mitgenommen. Die Stadt war total überfüllt. Wir ließen das Auto auf der Ostseite stehen und mussten mit verschiedenen Pendelbussen fahren um nach Spandau zu gelangen. Endlich angekommen haben wir das Begrüßungsgeld abgeholt. Ich hatt ...

 OssiWessiheiratsparties  Frank Neumeier - - Friedrichstr. und HdJT (heute Podewil)
Wir (freunde, hauptsächlich musiker, die auch "drüben" jobs hatten) , gründeten ein florierendes Fluchtunternehmen: Heirat. Es wurde eine Heirat inszeniert. "Hasse Bock nen Ossi zu heiraten?" Ehe konnte amtlich annuliert werden. Der Ossi musste die Scheidung bezahlen. Herrliche OssiWessiheira ...

 Knast für zwei Dosen Bier  Hans-Peter Streich - 1989 - Brandenburger Tor
Auf der Ostseite der Mauer, gegenüber der Aussichtsplattform war ein Wachturm, der immer mit zwei Mann besetzt war. Mit der Zeit lernte man sich kennen, denn ich stand auf der Westseite mit meinem Fahrradverkaufsstand auch immer an derselben Stelle. Wenn ich spät abends nach Hause ging, warf ich ...

 Mit dem U-Bahn-Ticket über die Grenze  Undine Eberlein, Helmut Fallschessel - 9. November 1989 -
Brandenburger Tor, Invalidenstr., Checkpoint Charly

Der Herbst 1989 war eine gute Zeit für Nachrichten-Junkies wie H. So kam es auch, dass unsere WG samt Besuchern umgehend von Schabowskis Pressekonferenz mit der Ankündigung zur neuen Ausreiseregelung informiert wurde. Und was taten wir? Wir gingen gemeinsam Pizza essen. Im Radio gab es zwischendurch Berichte, dass sich Leute in Ost und West an der Mauer versammeln würden. Wir diskutierten die politische Lage und gingen wieder nach Hause. Die meisten waren schon bettfein, als H. wieder ankam: CNN und SFB zeigten pausenlos Live-Bilder vom Brandenburger Tor. War das nicht Weltgeschichte? Da mussten wir doch dabei sein. Etwas müde ließen wir uns alle überzeugen. Als wir ankamen, standen schon Dutzende – oder waren es Hunderte? – von Leuten auf der breiten Mauerkrone, hüpften und feierten. Einige hämmerten auf dem Beton herum. Davor eine bunte Menge, die aufgeregt und etwas ziellos herum lief. Mehrere Fernsehwagen übertrugen die Szene, halb Demo, halb Fest. Als wir dann hoch kletterten, wurde uns mulmig zumute: Die Fläche war nass und rutschig. Offenbar hatte es schon einen Wasserwerfereinsatz gegeben, einen Versuch der Grenztruppen, die Leute weg zu spritzen. Im Moment aber war alles ruhig. Das machte aber die Postenkette, die in voller Montur und bewaffnet in Bereitschaft stand nicht weniger bedrohlich. Auch die Stimmung auf der Mauer schien jederzeit kippen zu können. Wir kletterten lieber wieder runter. Unten wurde uns bestätigt: Die Grenzübergänge waren offen! Spontan beschlossen wir, in dieser historischen Nacht mal ohne Passierschein „rüberzumachen“. Auf dem Weg zur Invalidenstraße war es plötzlich seltsam still. Nur einige Trabis kamen uns entgegen. Erst in der Nähe des Grenzübergangs waren wieder eine Menge Leute, offenbar Westberliner, die warteten und diskutierten und den ankommenden Autos zujohlten. Der Übergang selber war ein Chaos von Fußgängern und Autos und mittendrin die Grenzsoldaten, resigniert und verwirrt. Seltsamerweise war aber alles noch intakt, nicht einmal eine Scheibe zerbrochen. Als wir uns gegen den Strom nach Osten durchkämpften, beachtete uns niemand. Vielleicht hielten uns die Grenzer ja für die ersten Rückkehrer vom Westbesuch. Aber wie jetzt weiter? Zum Alex? Aber ob da etwas los sein würde? Oder waren jetzt alle am Kurfürstendamm? Da wir nun mal im Osten und zu Fuß waren, beschlossen wir, von der Ostseite noch mal zum Brandenburger Tor zu gehen. Vielleicht strömten die Leute ja dort auch schon über die Mauer? Aber nein. Hier war die Staatsmacht fest entschlossen, Herr der Lage zu bleiben. Mehrere Postenreihen waren aufgezogen. Die wenigen Zuschauer hier auf der Ostseite wirkten ebenso angespannt wie die stummen, offenbar zum Schweigen verdonnerten Grenzsoldaten. Auch auf uns übertrug sich die Angst: Würde es gleich einen Einsatz gegen die Leute auf der Mauer geben? Besser wir verschwanden vorher. Zurück zur Invalidenstraße schien uns witzlos, also beschlossen wir, es lieber am Checkpoint Charlie zu versuchen. Durch gespenstisch düster und ausgestorben wirkende Straßen – einmal standen in einer Nebenstraße mehrere Lastwagen mit Polizei oder Grenztruppen, wir liefen stumm und eilig vorbei – kamen wir endlich zur Friedrichstraße, heilfroh, als wir den hell erleuchteten Übergang sahen. Hier aber gab es keine euphorischen Menschenmassen, nur unergründlich wirkende Grenzer. Ansonsten war alles ruhig. Langsam bekamen wir wieder Schiss: Ob sie uns überhaupt durchlassen würden? Wir waren keine Ausländer, hatten keine Passierscheine, ja M. hatte, wie sie uns jetzt gestand, noch nicht einmal einen Ausweis dabei … Also ab in den Knast? Aber sie mussten doch wissen, dass überall sonst die Grenze offen war! Halb trotzig, halb übermüdet erzählten wir kurz unsere Geschichte. Invalidenstraße, so, so … Ob sie uns glaubten? Ob es noch wichtig war? Nach einigem hin und her ging es dann plötzlich ganz schnell: „Also gut, Ihre Ausweise bitte!“ Wir zeigten unsere Personalausweise, auch ein österreichischer Pass war dabei, und dazwischen kam M., ganz ernsthaft und ohne zu lächeln, mit ihrem BVG-Ticket! Ein Blick, ein Stirnrunzeln. Stumm gab der Grenzer das Ticket an M. zurück. Dann waren wir tatsächlich durch. Eben begann die erste Morgendämmerung. Ecke Kochstraße wurde eine Sonderausgabe der B.Z. verteilt, mit der Schlagzeile des Jahres.

 Hart an einer Fehlgeburt vorbei  M. P. - Winter 1966 - Nähe Sachtlebenstr. Zehlendorf
Mit meinem Mann ging ich im Winter 1966 an der Mauer in Zehlendorf spazieren, als er plötzlich einen Grenzpfahl entdeckte, auf dem einige Zeichen zu sehen waren. Als Historiker war er besonders daran interessiert, diese Zeichen zu entziffern. Er ging also näher an den Grenzpfahl heran. Ich hörte ein ...

 Wo sich die Füchse 'Gute Nacht' sagen  Hans-Peter Streich - 80er Jahre - Brandenburger Tor
Ich hatte einen Fahrradverkaufsladen und habe immer kalte Getränke, Wiener Würstchen und Popcorn verkauft am Brandenbuger Tor, links neben der Aussichtsplattform. Ich hatte einen gasgekühlten Camping-Kühlschrank. Da stand ich jahrelang mit meinem Fahrradverkaufstand. Damit habe ich meine Familie ern ...

 Tödliche Ballonfahrt  Martin Ahrends/Udo Baron/Hans-Hermann Hertle - 8.3. 1989 - Zehlendorf
Hier sieht man die Reste des Fluchtballons. Gegen 7.30 Uhr stürzte Winfried Freudenberg am 8.3. 1989 mit seinem selbstgebastelten Ballon über dem West-Berliner Bezirk Zehlendorf ab. Nur wenige hundert Meter weiter, bei Kleinmachnow, wäre er wieder in die DDR eingeflogen. Was genau zu dem Absturz fü ...

 Der Heiratsantrag  Anne S. - 1986 - Annenstr. bis Oberbaumbrücke
Ich hatte einen Freund in Ost-Berlin, der mich heiraten wollte, um rauszukommen. Er wollte mich bis zum Grenzübergang Oberbaumbrücke begleiten und schlug vor, dass wir von der Annenstr. aus dorthin gehen. Je näher wir der Mauer kamen, desto mehr Uniformierte waren unterwegs. In der Annenstr. wohnten ...

 Die Tür in der Mauer  Thomas deGreef - 1989/90 - Bethaniendamm
Als die Mauer in Berlin fiel war ich nicht in der Stadt. Ungläubig sah ich die Bilder auf allen Programmen. Wochen später radelte ich tagelang auf der anderen jetzt zugänglichen Seite der Mauer entlang. Ca. 100 Meter nördlich vom Bethanien in Kreuzberg entdeckte ich Umrisse einer Tür in der Berlin ...